Die Welt der Edelsteine
Grundlagen
„Schönheit,
Beständigkeit und Seltenheit - das sind die drei
Kardinaltugenden eines perfekten Edelsteins. Steine, die
auch nur eines dieser Merkmale vermissen lassen, können in
den Reihen der kostbarsten aller Steine niemals einen hohen
Rang einnehmen.“
Dr. G. F. Herbert Smith (1872 - 1953), Gemstones and their Distinctive Characters
Dr. G. F. Herbert Smith (1872 - 1953), Gemstones and their Distinctive Characters
Meinen ersten Kontakt mit Edelsteinen hatte
ich im Alter von etwa zehn Jahren. Ich erinnere mich noch daran, wie
fasziniert ich von einem kleinen, mit Wasser gefüllten Behälter war,
den ich von meiner Tante bekommen hatte und in dem sich lauter
Opalstückchen befanden. Meine professionelle Liebesbeziehung zu
Edelsteinen begann vor neun Jahren im Schatten des Khao Ploi Waen,
des „Bergs der Edelsteinringe“ in der thailändischen Provinz
Chanthaburi, einem internationalen Zentrum für Farbedelsteine. Mein
erster Umgang mit Edelsteinen war sicher alles andere als glänzend –
mir schoss ein Stein aus meiner Pinzette und verfehlte dabei nur
knapp das Auge eines Kollegen! Dieses Buch ist für all jene
geschrieben, die praktische Tipps für den Kauf von Edelsteinen
suchen. Neben meiner persönlichen Erfahrung und veröffentlichten
Quellen („Mehr…“) stammen
viele der Informationen in diesem Buch aus meinen Gesprächen mit
zahlreichen Fachleuten und Kollegen. Wie in jeder anderen Branche,
die von der Leidenschaft ihrer Vertreter lebt, sind lebhafte
Diskussionen auch bei uns an der Tagesordnung und stets sehr
fruchtbar.
Als mineralische oder organische Materialien („Mehr…“), die dem persönlichen Schmuck dienen, sind Edelsteine nur dann wirklich Edelsteine, wenn sie schön, beständig und selten sind. Ihr Vorkommen ist gänzlich vom Zufall abhängig, sie sind wahre und erstaunliche Wunder der Natur. Die ästhetische Schönheit eines Edelsteins kann jeder bewundern, aber mit einem gewissen Grundverständnis werden Sie Ihre Edelsteine noch weit mehr schätzen lernen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Diamanten bei vielen Käufern beliebter sind als Farbedelsteine. Das erklärt sich zum Teil sicher daraus, wie viel die Diamanten-industrie in die Werbung investiert. Bei Farbedelsteinen sind viele Menschen ratlos, wie sie den Wert des Steins bestimmen sollen; ganz abgesehen davon, dass häufig der Überblick darüber fehlt, welche Steine überhaupt auf dem Markt angeboten werden. Manch einer ist vielleicht gerade noch in der Lage, einige Geburtssteine und einige der bekannteren Varietäten aufzuzählen, aber die wenigsten Menschen – sofern sie nicht das Glück haben, einen Edelsteinexperten in ihrem Bekanntenkreis zu haben – verfügen über mehr als nur oberflächliche Kenntnisse. Das ist sehr schade, denn es ist gar nicht so schwer, ein gewiefter Edelsteinkäufer zu werden. Meine schönsten Schlüsselmomente habe ich immer dann, wenn den Leuten klar wird, dass sie nicht Millionär sein müssen, um in den Genuss von Farbedelsteinen zu kommen. Oft ist die Überraschung groß, wenn sie erfahren, dass viele Edelsteine in den unglaublichsten Farben zu durchaus bezahlbaren Preisen erhältlich sind – und noch größer, wenn sie herausfinden, dass zahlreiche Farbedelsteine tatsächlich seltener sind als Diamanten.
Dank der Beliebtheit von Diamanten haben die meisten Edelsteinkäufer wenigstens schon einmal entfernt etwas von den „vier C’s“ gehört: Colour (Farbe), Cut (Schliff), Clarity (Reinheit) und Carat Weight (Karatgewicht). Die „vier C’s“ eignen sich gut dafür, die Schönheit von Edelsteinen zu beschreiben. Sie helfen dabei, sich auf diesem anfangs scheinbar so komplizierten Gebiet zurechtzufinden. Doch wenngleich die „vier C’s” eine gute Grundlage für die Beurteilung von Edelsteinen bieten, müssen beim Kauf eines Steins auch noch andere Faktoren in Betracht gezogen werden. Diese möchte ich Ihnen im Anschluss erläutern und dabei verdeutlichen, wie wichtig die einzelnen Faktoren für den endgültigen Wert eines Edelsteins sind:
Farbe
Es dürfte kaum überraschen, dass die Farbe bei
der Bewertung von Farbedelsteinen der wichtigste Faktor
überhaupt ist. Die Farbe macht etwa 50 % des endgültigen Werts
eines Edelsteins aus. Größe (Karatgewicht), Schliff und Reinheit
wirken sich unmittelbar auf die Farbe aus. Da es sich hierbei
also um ein so zentrales Kriterium handelt, ist die Farbe ab
„Mehr…“ in einem eigenen Abschnitt behandelt.
Schliff
Eine der größten Fehleinschätzungen bezüglich
des Schliffs von Edelsteinen betrifft seine Auswirkung auf den
Gesamtwert des Edelsteins. In einem populären Edelstein-Buch ist
zu lesen: „Der Schliff ist von subjektiver Bedeutung und hat
keine oder nur geringe Auswirkung auf den Kaufpreis.“ Hier muss
ich widersprechen: Für mich ist der Schliff der zweitwichtigste
Faktor. Warum? Selbst wenn ein Rohedelsteinkristall eine
ausgezeichnete Farbe aufweist, kann ein schlechter Schliff die
Wirkung der Farbe beeinträchtigen. Andersherum lässt sich eine
eher durchschnittliche Farbe durch einen guten Schliff besser
zur Geltung bringen. Auch Einschlüsse (siehe unten) lassen sich
durch sorgsames Schleifen so platzieren, dass sie nicht sofort
ins Auge fallen. Unterschätzen Sie also bitte nie die Bedeutung
des Schliffs eines Edelsteins! Ebenso wie die Farbe ist auch der
Schliff so wichtig, dass er ab „Mehr…“
in einem eigenen Abschnitt behandelt wird.
Reinheit
Die meisten Edelsteine sind kristallin und besitzen demzufolge
eine „Kristallstruktur“, eine regelmäßige, sich wiederholende,
dreidimensionale Anordnung miteinander verbundener Atome.
Die meisten Edelsteine, wie zum Beispiel Amethyst, Saphir und
Turmalin, bestehen aus Einkristallen, sind also makrokristallin.
Andere besitzen eine Kristallstruktur, die so fein ist, dass die
einzelnen Partikel nicht einmal unter dem Mikroskop erkennbar
sind. Zu diesen so genannten kryptokristallinen Edelsteinen
gehören unter anderem Achat, Chalzedon und Jade.
Ungeachtet ihrer Kristallstruktur können in der Natur nur wenige
Edelsteine ungestört wachsen. Der Prozess der Edelsteinbildung
ist oftmals mit der Enstehung kleiner natürlicher Besonderheiten
verbunden, die man Einschlüsse nennt. Mitunter werden
Einschlüsse auch als „Fehler“ bezeichnet, aber dies ist, wie ich
meine, ebenso unzutreffend, als würde man die kleinen
Unvollkommenheiten in einer Seidenjacke oder die Astlöcher in
einem Holztisch als Fehler bezeichnen. Meiner Ansicht nach
handelt es sich hierbei um ein natürliches Charakteristikum,
einen Echtheitsstempel der Natur, der den natürlichen
Entstehungsort der Edelsteine, nämlich die Erde, verdeutlicht.
Einschlüsse sind normalerweise winzig klein und unter dem
Mikroskop oder mit einer Juwelierlupe am besten zu erkennen. Die
Reinheit eines Edelsteins wird durch die Menge und die Anordnung
seiner Einschlüsse bestimmt. Man unterscheidet dabei zum
Beispiel die Reinheitsgrade „augenrein“, „mit wenigen
Einschlüssen“, „mit moderaten Einschlüssen“, „mit deutlichen
Einschlüssen“ und „mit sehr deutlichen Einschlüssen“. Es gelten
zwei allgemeine Faustregeln zur Reinheit:
Ein Smaragd mit seinen
charakteristischen Einschlüssen,
auch als Jardin (Garten) bezeichnet |
- Je höher der Reinheitsgrad, desto höher der Wert des Edelsteins.
- Einschlüsse, die die Brillanz, das Funkeln und das Feuer des Edelsteins nicht beeinträchtigen, wirken sich nicht auf den Wert aus.
Blauer Diamamant: ein “klassischer”
transparenter Edelstein |
- Opak: Der Edelstein ist nicht lichtdurchlässig. Zu den opaken Edelsteinen gehören Achat, Jade und Onyx.
- Transluzent: Der Edelstein ist zwar lichtdurchlässig, jedoch nicht so durchsichtig, dass Gegenstände durch ihn hindurch deutlich erkannt werden könnten. Beispiele hierfür sind Feueropal und Rosenquarz.
- Transparent: Das Licht wird vollständig durchgelassen. Objekte können durch einen transparenten Edelstein hindurch erkannt werden. Beispiele sind Amethyst, Saphir und Tansanit. Da Transparenz und Brillanz die Farbwiedergabe un-mittelbar beeinflussen, spielen sie bei der Bestimmung des Werts transparenter Edelsteine eine entscheidende Rolle.
Achat: Opak, aber trotzdem
farbenfroh |
- Typ I: Diese Edelsteine sind von Natur aus extrem rein und haben normalerweise keinerlei mit bloßem Auge erkennbaren Einschlüsse. Beispiel: Aquamarin.
- Typ II: Edelsteine vom Typ II weisen von Natur aus einige wenige Einschlüsse auf, die für das Auge sichtbar sein können. Beispiel: Rubin
- Typ III: Dieser Typ besitzt von Natur aus zahlreiche Einschlüsse, die üblicherweise mit bloßem Auge erkennbar sind. Beispiel: Smaragd.
Karatgewicht
Bei Edelsteinen, die hinsichtlich aller anderen Merkmale
gleichwertig sind, gilt: Je größer der Edelstein, desto höher
sein Wert. Im Allgemeinen sind Farbe und/oder optische Effekte,
zum Beispiel Farbwechsel oder Farbspiel („Mehr…“),
bei größeren Edelsteinen deutlicher zu sehen.
Traditionell wird das Gewicht von Edelsteinen in Karat angegeben
(1 Karat = 0,2 Gramm bzw. 200 Milligramm). Bei Edelsteinen unter
einem Karat misst man das Gewicht in 100 kleineren Einheiten,
die auch als Punkte bezeichnet werden (50 Punkte entsprechen zum
Beispiel 0,5 Karat). Diese auf den Basaren des Nahen Ostens
entstandene Messweise beruht auf den Samen des
Johannisbrotbaums, die früher zum Wiegen von Edelsteinen
verwendet wurden. Im Jahr 1907 wurde das Karatgewicht in Europa
auf ein Fünftel eines Gramms festgelegt. Aber warum eigentlich
Johannisbrotsamen? – Aufgrund ihrer konsistenten Größe und ihres
einheitlichen Gewichts waren diese Samen besonders gut zur
Verwendung als Gewichte geeignet. Das Karatgewicht eines
Edelsteins (ct) ist jedoch nicht mit der zur Angabe der
Goldreinheit verwendeten Bezeichnung Karat (K) zu verwechseln.
Johannisbrotsamen wurden auch verwendet, um das Gewicht der dem
reinen Gold beigefügten Legierungen festzustellen; das erklärt
die Namensgleichheit, aber damit enden die Gemeinsamkeiten auch
schon.
Größere Edelsteine kommen grundsätzlich seltener vor als
kleinere. Ein dreikarätiger Edelstein ist immer bedeutend mehr
wert als drei einkarätige Steine derselben Qualität. Eine Gruppe
aus mehreren kleineren Steinen kann jedoch auch teurer sein als
ein einzelner Edelstein mit gleichem Karatgewicht. Das ist dann
der Fall, wenn die Facettierungskosten für die einzelnen Steine
den Preisunterschied aufwiegen. Aufgrund ihrer relativen
Seltenheit gelten aufeinander abgestimmte Edelsteinpaare oder
-gruppen als wertvoller als einzelne Steine gleicher Größe und
Qualität.
Samen des Johannisbrotbaums |
Herkunftsland
Meiner Ansicht nach ist noch
ein fünftes „C“ von besonderer Bedeutung: „country“, das
Herkunftsland. Ähnlich wie bei den Marken von
Sportbekleidungsartikeln werden auch Edelsteine mit einem an
Geschichten und Legenden reichen „Stammbaum” zuweilen als
wertvoller angesehen als Edelsteine, die noch nicht historisch
verwurzelt sind. Das ist jedoch nicht immer der Fall. Als
Gegenbeispiel wäre hier der Paraíba-Turmalin zu nennen, der erst
1989 entdeckt wurde.
Das Herkunftsland sagt prinzipiell nichts über die Qualität aus.
In jeder Abbaustätte finden sich Steine guter und schlechter
Qualität. Natürlich sind einige Quellen dafür bekannt, dass sie
mehr qualitativ hochwertige Steine hervorbringen als andere,
wodurch die Herkunftsangabe dann doch wieder einen Rückschluss
auf die Qualität zulässt. Aber dies ist nicht immer und
grundsätzlich der Fall. Zum Beispiel sind nicht alle Saphire aus
Sri Lanka von einer Qualität, die die Bezeichnung
„Ceylon-Saphir“ rechtfertigen würde. Für mich ist die Herkunft
ein interessantes Merkmal, das definitiv zur Attraktivität eines
Edelsteins beitragen kann, mich jedoch nicht dazu bewegt, einen
Stein besitzen zu wollen, wenn ich ihn nicht schön finde.
Während geographische Bezeichnungen nur verwendet werden
sollten, wenn sie das Gebiet angeben, aus dem die Edelsteine
stammen, gilt die Herkunft nach CIBJO-Richtlinien („Mehr…“)
als Ermessenssache.
Ceylon-Saphir |
Vertrauen
Wir leben in einer Zeit, die einem ständigen Wandel unterliegt.
Immer mehr Menschen sind sich der weltweiten sozialen und
ökologischen Probleme bewusst. Edelsteine und Schmuck sind
oftmals mit sehr starken Emotionen verbunden. Das Letzte, was
wir wollen, ist, dass im Zusammenhang mit Edelsteinen negative
Gefühle aufkommen. Dementsprechend steht das sechste C für
„Confidence“, „Vertrauen“. Vertrauen, weil Sie sicher sein
können, dass Ihre Edelsteine aus legalen Quellen stammen und
nicht zur Finanzierung von Bürgerkriegen oder Terrorismus
verwendet wurden. Im Fall von Diamanten ist dies dank der
Vereinten Nationen und des Kimberley-Prozesses möglich (www.diamondfacts.org).
Bei Farbedelsteinen sollten Sie immer bei Ihrem Verkäufer
nachfragen.
Beständigkeit
Bei sorgsamer Behandlung kann jeder Edelsteinschmuck über viele
Generationen weitervererbt werden („Mehr…“).
Beständigkeit ist eine Kombination aus drei Eigenschaften:
- Härte: die Fähigkeit eines Edelsteins, Kratzern auf der Oberfläche standzuhalten (Mohs’sche Skala). Mehr dazu erfahren Sie auf „Mehr…“.
- Belastbarkeit: die Fähigkeit eines Edelsteins, der Enstehung von Frakturen (willkürlichen, ungerichtet verlaufenden Brüchen) oder Spaltungen (Teilungen entlang genau begrenzter Flächen) standzuhalten. Zu beachten ist, dass Belastbarkeit und Härte eines Edelsteins voneinander unabhängig sein können. Dass ein Edelstein hart ist, bedeutet nicht unbedingt, dass er auch belastbar ist, und umgekehrt.
- Stabilität: die Fähigkeit eines Edelsteins, physikalischen oder chemischen Beschädigungen standzuhalten.
Niemand, der bei klarem Verstand ist, würde
seine Liebste oder seinen Liebsten als „halbschön“ bezeichnen. Warum
nur hält sich dann die Bezeichnung „Halbedelstein“ so hartnäckig?
Die traditionellen „Edelsteine“ sind Smaragd, Diamant, Rubin und
Saphir. Mit zunehmender Beliebtheit mussten später auch andere
Steine einen Namen erhalten. Aus unerfindlichen Gründen einigte sich
die Branche auf „Halbedelsteine“ – und hat dies seither bereut.
Heute wird die Bezeichnung Halbedelstein als irreführend angesehen
und darf nicht mehr verwendet werden. Der Grund dafür ist, dass
Steine mit dieser Bezeichnung häufig unter Wert verkauft werden und
der wahre Wert eines Steins sich damit nicht mehr ausdrücken lässt.
Beispielsweise gibt es Rubine, Smaragde und Saphire, die für weniger
als $100 pro Karat verkauft werden, während ein schöner
Paraíba-Turmalin mehr als $20.000 pro Karat kosten kann. Wenn das
nicht wervoll ist!
Seltenheit
Definitionsgemäß sind alle Edelsteine selten, aber in Anlehnung
an George Orwells „Farm der Tiere“ kann man sagen, dass einige
Edelsteine seltener sind als andere. Versuchen Sie sich beim
Kauf von Edelsteinen immer bewusst zu machen, warum ein Stein
selten ist. Wenn Sie das nicht tun, verliert der Begriff an
Bedeutung und wird zu einer leeren Hülle. Ich zucke immer
zusammen, wenn ich höre, wie Verkäufer sich endlos über die
„Seltenheit“ auslassen, ohne dabei genaue Angaben zu machen.
Wenn die Seltenheit eines Steins erwähnenswert ist, dann sollte
sie auch mit Zahlen belegt werden. Zum Bespiel ist ein Tansanit
eintausendmal seltener als ein Diamant.
Seltenheit lässt sich auf drei Arten be-schreiben, die oft
voneinander unabhängig sind: geologisch, marktbezogen und
ver-gleichend. Nur weil ein Edelstein geologisch gesehen selten
ist, muss er auf dem Markt nicht auch höhere Preise erzielen und
umgekehrt.
Schönheit, Vermarktung und Bekanntheitsgrad spielen ebenfalls
eine große Rolle. Das beste Beispiel dafür sind Diamanten.
Seltenheit kann zudem auch ein zweischneidiges Schwert sein, da
sie manchmal die Wirtschaftlichkeit eines Steins gefährdet – wie
es zum Beispiel beim Tsavorit der Fall ist.
Sehen Sie auch, was ich sehe?
Was sehen Sie, wenn Sie einen Edelstein betrachten? Die
folgenden Begriffe werden häufig zur Beschreibung des optischen
Erscheinungsbilds eines Edelsteins im Zusammenspiel mit dem
Licht herangezogen:
- Lüster: die Menge des von der Oberfläche eines Edelsteins reflektierten Lichts.
- Diamantengleich (adamantin): der sehr helle und reflektierende Lüster wie bei einem Diamanten. Der Begriff leitet sich ab von „adamas“, dem griechischen Wortstamm von „Diamant“; er bedeutet „unbezwingbar“, was für die härteste natürliche Substanz der Welt sicher eine treffende Bezeichnung ist! Der Begriff „subadamantin“ wird mitunter zur Beschreibung von Edelsteinen verwendet, deren Lüster dem eines Diamanten nahe kommt, zum Beispiel Alexandrit und Demantoid. Zwar gibt es für die Beschreibung des Lüsters noch weitere mineralogische Begriffe, aber diese sind für den alltäglichen Gebrauch nicht von Bedeutung und werden daher hier nicht aufgeführt.
- Funkeln: das Spiel des Lichts (Reflexionen auf einer polierten Oberfläche), durch das ein Edelstein bei Veränderung seiner Position zur Lichtquelle oder zum Betrachter zum Funkeln gebracht wird.
- Brillanz: die Lichtmenge (d. h. die Körperfarbe), die aus dem Inneren eines Edelsteins reflektiert wird. Die Brillanz hängt von den optischen Eigenschaften eines Edelsteins (Stichwort: Brechungsindex, siehe „Mehr…“), seinem Schliff (kritischer Winkel), seiner Farbtransparenz, seiner Reinheit, seiner Politur, seinem Lüster und seiner Abnutzung ab.
- Feuer (auch: Dispersion): die Aufspaltung des Lichts in seine Spektralfarben. Dieses gemmologische Merkmal trägt entscheidend zur Schönheit und zum Wert eines Edelsteins bei. Alle großen Edelsteine zeigen Feuer, aber die Steine, bei denen dies am deutlichsten erkennbar ist, sind Sphen, Demantoid, Diamant und Zirkon.
Onyx mit seinem charakteristischen
Lüster |
Sehr selten und unglaublich
brillant: der einzige
Vanadium-Chrysoberyll, den der Autor
je zu Gesicht bekommen hat |
Diamant mit seinem
charakteristischen Feuer |
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